Allgemein/ on Tour

Zu Gast in Spanien bei den Erdbeeren aus Europa – Ich liebe rot!

Dieser Beitrag ist im Rahmen einer Pressereise der Kampagne „ICH LIEBE ROT“ entstanden,
weshalb er hiermit als „Werbung“ gekennzeichnet wird.

Es ist Donnerstagmorgen, Anfang April. Ich schlage die Augen auf und mir ist sehr, sehr warm. Ich brauche einen Moment, bis ich mich erinnere, dass ich mit dem Surren einer Klimaanlage eingeschlafen bin, die in diesem Moment verstummt ist und das Bett, in dem ich liege, nicht mein eigenes ist, sondern zu einem Hotel in der wunderschönen Stadt Sevilla gehört. Denn ich bin auf Pressereise. Und ab heute dreht sich meine kleine Welt für zwei Tage um die Erdbeeranbauregion Huelva in Spanien und ihre sattroten Früchte.

Ich muss zugeben, dass ich im Vorfeld mit einigen Bedenken und auch gewissen Vorurteilen zu kämpfen hatte. Stichworte: Nachhaltigkeit. Regionalität. Verpackung und Transport. Ich bin mir sicher, die meisten von euch wissen genau, worauf ich hinauswill!
Und deshalb habe ich meine Zusage auch sehr lange hinausgezögert, meinen Gastgeber schon im Vorfeld mit Fragen malträtiert und dann letztendlich entschieden: wo, wenn nicht vor Ort kann ich mir wirklich ein Bild machen und eine „handfestere“ Meinung bilden, die nicht nur aus Hörensagen besteht?

Mein Gastgeber ist Interfresa, die branchenübergreifende Organisation für Erdbeeren aus Andalusien, die auf 10.000 Hektar Früchte (neben Erdbeeren unter anderem auch Blau- und Himbeeren) anbaut, verpackt, vertreibt und dabei 60.000-70.000 Menschen (90% der Menschen in den Erdbeeranbaugebieten leben von der Landwirtschaft) einen Arbeitsplatz bietet. Interfresa ist quasi eine „universale Schnittstelle“ für Beeren.

Tag 1 – wir besuchen eine Verpackungshalle

Wir rollen das Feld von hinten auf und Besuchen zuerst eine Verpackungshalle. Sie gehört zur Firma „Cuna de Platero“. Hier huschen die Erdbeeren im Sekundentakt über die Bänder – erst bei der Auslese, dann in der Verpackung.
Die Verweildauer jeder einzelnen Erdbeere in der Halle wird möglichst kurz gehalten – so müssen sie nicht länger als nötig vor Ort gekühlt werden und können so schnell und damit auch so frisch wie möglich in den Handel. Ein freundlicher Mitarbeiter führt uns durch die heiligen Hallen, erklärt uns die Abläufe und steht uns bei Fragen mit Rat und Tat zur Seite.

Vorurteil: Dieser (Plastik-)Verpackungs-Wahn ist total unnötig!

In der Verpackungshalle sehe ich live, was mir später im Supermarkt oft aufstößt: Die Erdbeeren werden erst ein eine Plastikschale gebettet und dann noch einmal in Plastikfolie verpackt. Das ist am Ende eine ganz schöne Menge (Plastik-)Müll. Unsere einheimischen Erdbeeren bekommt man in der Saison auch in Pappverpackungen, was mir sehr viel besser gefällt. Aber warum ist das so?

Während der Besichtigung fällt mir dann aber auch etwas anderes ins Auge: Blaubeeren, die lose in Pappkartons verpackt werden. „Die gehen nach Großbritannien, die Briten wollen sie lieber so“, wird uns erklärt.
„Das bedeutet also, wenn der deutsche Handel Früchte ohne Plastik verlangen würden, würden wir sie auch ohne Plastik kriegen?“, frage ich. Genau das ist der Fall, so die Aussage vor Ort. Interfresa ist es „egal“, wie die Früchte verpackt werden und wenn der deutsche Markt nach nachhaltigeren Verpackungen fragen würde, dann könnten wir in unseren Supermärkten Erdbeeren aus Andalusien auch ohne Plastikmüll kaufen.
Es ist aber auch so: Plastik ist billiger, leichter und die Früchte lassen sich darin einfacher transportieren. Am Ende ist es vermutlich das, was für den deutschen Handel zählt. Eine Kostenfrage.

Ich nehme das zur Kenntnis und verstehe die Argumentation, dass ich das gutheiße bedeutet es jedoch nicht und ich hoffe weiter, dass irgendjemand aus dem deutschen Handel eines Tages verlangt, dass auch wir Erdbeeren aus Andalusien ohne Plastikmassen kaufen können.

Tag 2 – es geht aufs Erdbeerfeld!

Auf diesen Tag habe ich mich gut vorbereitet: Es geht endlich auf die Felder von Huelva und mitten in die Erdbeeren! In meiner Tasche: Ein kleines, schwarzes Buch mit lauter Fragen, die ich im Vorfeld zusammengetragen habe. Es geht an meine Vorurteile – vor allem an die, die sich um Nachhaltigkeit drehen.
Vor der Reise habe ich mir viel angeschaut und auch viel gelesen. Artikel über die (Grund-)Wasserprobleme der Spanier, Bilder von den Plastikmeeren, unter denen die Erdbeeren gedeihen. Ich hoffe, der Mitarbeiter des Unternehmens „Cooperativa Fruta de Andalucía, S.C.A“ ist heute mit dem richtigen Bein aufgestanden und hat gute Nerven.

Ich stehe auf dem Hof der Firma, freunde mich mit den Hofhunden an und schaue dabei immer wieder über den Zaun, der mich von den Erdbeeren trennt. Und habe gemischte Gefühle: Denn zum einen sind da diese herrlichen, roten Früchte! Aber zum anderen wachsen genau diese auf einem Meer aus schwarzem Plastik und sind von einem Meer aus weißer Plastikplane überdacht. Auf Bildern hatte ich das bereits gesehen, aber wenn bis zum Horizont nur ein Meer aus Plastik direkt und echt vor dir liegt, ist das noch mal etwas ganz anderes. „No me gusta!“ denke ich. Und: „Muss das sein?“

Vorurteil: Dieses ganze Plastik! Das ist doch nicht nachhaltig!

Es steht absolut nicht zur Diskussion, dass es ohne Plastik schöner und vermutlich auch besser für die Umwelt wäre. Aber auch, wenn die Spanier in puncto Plastikvermeidung und Umweltbewusstsein noch lange nicht so weit sind, wie wir in Deutschland, will ich glauben, dass diese Unmengen an Plastik irgendeinen tieferen Sinn haben. Und stelle deshalb viele Fragen zu diesem Thema.

Warum die Erdbeerpflanzen mit Plastik-Dächern überdeckt werden ist logisch leicht nachvollziehbar: Die Plane lässt ausreichend Licht für die Pflanzen hindurch, schützt sie aber vor Regen, der einer der größten Feinde der Erdbeerpflanze ist. Außerdem hält sie das Klima für die Pflanzen sehr angenehm.
Huelva ist zwar die sonnenreichste Provinz Spaniens, aber wenn es mal regnet, dann schüttet es direkt wie aus Eimern, was die ganze Ernte mit einem Schlag zerstören kann.
Natürlich könnte man auf Glas umsteigen – aber das wäre vermutlich exorbitant viel teurer und das Glas müsste regelmäßig geputzt werden, woraufhin das Putzmittel in die Erde absickern würde. Plastik ist auch hier die günstigere Lösung und das Medium, das einfacher zu handeln ist.

Der Sinn der Plastikplane auf dem Boden direkt unter der Pflanze ist etwas mehr um die Ecke gedacht: Sie sorgt zum einen dafür, dass die Erdbeeren schon beim Ernten sauber sind und vor dem Verkauf nicht mehr gewaschen werden müssen, wodurch Wasser gespart werden kann. Außerdem sorgt sie dafür, dass das Wasser, mit denen die Erdbeeren unter der Plane versorgt werden, in der Hitze nicht so schnell verdunsten kann – auch hier steht das Sparen von Wasser also im Vordergrund. Wasser ist – in Spanien noch mehr als bei uns – ein kostbares Gut und die Argumentation klingt schlüssig. Da ich keinen besseren Vorschlag habe, muss ich mich geschlagen geben.

Auf meine Nachfrage wurde mir im übrigens versichert, dass die Planen nur alle zwei Jahre erneuert werden und dann ordnungsgemäß recycelt werden müssen. Firmen, die sich nicht daran halten, werden hart bestraft. Laut Aussage vor Ort bestehen beispielsweise Flaschenverschlüsse aus Plastik gerne aus den Planen der Erdbeeren. Immerhin ein kleiner Wermutstropfen!

Vorurteil: Aber wegen der Erdbeeren mangelt es den Spaniern an Wasser! Das gute Leitungswasser wird einfach auf die Felder gesprengt und natürliche Ressourcen werden beraubt!

Dass Spanien Probleme mit einem stetig sinkenden Grundwasserspiegel hat, ist inzwischen bekannt. Die Spanier gehören unter uns Europäern zur den Spitzenreitern im Wasserverbrauchen – in allen Bereichen, also sowohl privat, wie auch gewerblich. Außerdem tauchen immer wieder Artikel auf, die besagen, dass der Anbau der Beeren z.B. das Ökosystem des Doñana-Nationalparks in Huelva stark belastet.
Irgendwas muss da dran sein, denn Fakt ist: Die Europäische Kommission hat Spanien bereits verwarnt und das Ultimatum läuft: Entweder, der Doñana-Park wird besser geschützt oder Spanien muss vor den Europäischen Gerichtshof.

Als ich vor Ort fragte, wo das Wasser für die Erdbeeren herkommt, wurde mir versichert, dass nur Regenwasser aus Auffangbecken genutzt wird. Regenwasser wird in unterschiedlichen Gebieten Huelvas gesammelt und die Mengen an Wasser reichen aus, um die Erdbeerfelder dauerhaft zu versorgen, sodass kein Grundwasser hinzugezogen werden muss.

Außerdem wird immer daran gearbeitet, den Wasserverbrauch grundsätzlich zu minimieren. Unter den Folien, die unter den Pflanzen sind, gibt es ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem, das chipgesteuert nur so viel Wasser an die Pflanze abgibt, wie gerade benötigt wird. Die Folie schützt die Pflanzen außerdem nicht nur vor Dreck, sondern sorgt auch bei Hitze für eine langsamere Verdunstung des Wassers, wodurch ein maximaler Nutzen aus jedem Tropfen gezogen werden soll.

Vorurteil: Auf spanischen Feldern werden ausländische Gastarbeiter zu billigsten Löhnen und unter widrigsten Bedingungen ausgenutzt!

Fakt ist: Ja, auf den Feldern arbeiten zum größten Teil Gastarbeiter. Die meisten kommen aus Rumänien, Bulgarien, manche (aber jedes Jahr weniger) aus Marokko.
Fakt ist aber auch: Bei uns sieht es nicht anders aus. Die deutschen Erdbeeren aus dem Supermarkt sind mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit auch von einem Gastarbeiter geerntet worden, denn kaum ein Westeuropäer möchte diesen Knochenjob machen. Das gilt nicht nur für Erdbeeren, sondern für vermutlich fast alle Obst- und Gemüsesorten. Auch für die vom Bauern nebenan!

Interfresa legt Wert darauf, dass den Arbeitern die Arbeit erleichtert wird. So wird z.B. der Großteil zwischen 5.00 Uhr und 8.00 Uhr morgens geerntet – dann herrscht ein angenehmeres Klima für die Arbeiter und die Früchte können in einer Art „Kältekette“ weiterverarbeitet werden.
Den Arbeitern wird von der Firma eine Unterkunft vor Ort gestellt und ihre Regelarbeitszeit beträgt 6 1/2 Stunden/Tag inklusive einer halben Stunde Pause. Auch in Spanien gibt es einen Mindestlohn, wenn dieser auch deutlich niedriger ist als in Deutschland (Deutschland: 8,84€/Stunde, Spanien: 4,46€/Stunde). Zum Vergleich: In ihrer Heimat bekämen die rumänischen Gastarbeiter einen noch viel geringeren Mindestlohn (2,50€/Stunde). Eventuell anfallende Überstunden werden vergütet.

Laut Aussage vor Ort kommen übrigens die Gastarbeiter zu 60% zu Beginn einer neuen Saison immer wieder, um Erdbeeren zu pflücken – was wohl eine höhere Rate an Wiederkehrern als in anderen Bereichen ist und dafür spricht, dass die Arbeitsbedingungen verhältnismäßig gut sind.


Vorurteil: Aber die Erdbeeren aus Spanien schmecken gar nicht so gut wie unsere! Sie sind von minderer Qualität und pestizidbelastet!

Und wie die Erdbeeren schmecken! Und ganz ehrlich: Huelva ist die Provinz mit den meisten Sonnenstunden Spaniens, nicht umsonst werden hier 95% der spanischen Erdbeeren angebaut. Wie sollten Erdbeeren, die so mit Sonne betankt werden, nicht schmecken? Sie sind köstlich! Je nach Sorte dunkler oder heller, leicht säuerlich oder so süß, wie man sie sich nur vorstellen kann, aber jede einzelne von ihnen hat geschmacklich die volle Erdbeerpower.
Dass die Früchte in irgendeiner Form „manipuliert“ werden, wie manchmal gerne behauptet wird, um sie künstlich „aufzublasen“, weshalb sie „weniger schmecken“, ist reiner Humbug. Stellt euch alleine vor, was so etwas kosten würde!
Stattdessen wird mit unterschiedlichen Sorten gearbeitet und mit jeder Pflanze auch immer nur für ein Jahr – denn im ersten Jahr tragen die Pflanzen die meisten und größten Früchte.

Die „Mutterpflanzen“ werden aus Amerika erworben, die Setzlinge in im kühleren Norden von Spanien hochgezogen. Durch die Kälte wachsen die Blätter und die Pflanze gewinnt an Größe, sie bildet aber noch keine Blüten. Erst im warmen Süden, wo sie auf den Erdbeerfeldern eingepflanzt wird, beginnt sie dann zu blühen und Früchte zu tragen. So wird sichergestellt, dass sich viele, schöne Früchte bilden können und der Ertrag möglichst hoch ist.

Was die Pestizidbelastung angeht: wo es nur geht, wird mit Nützlingen der Kampf gegen Schädlinge angetreten. Es wird also größtenteils auf biologische Schädlingsbekämpfung durch Aussetzen von natürlichen Feinden gesetzt. Erst, wenn das nicht möglich ist, wird mit Chemie gearbeitet und beim „Spritzen“ lautet die Devise dann laut Erzeuger „So viel wie nötig, so wenig wie möglich.“ Was genau damit gemeint ist, bleibt bei so einer Antwort natürlich offen, aber ich bin auch keine Chemikerin und hätte mit genauen Angaben vermutlich genau so viel anfangen können wie mit einer Abhandlung über Automotoren auf Japanisch. Selbstverständlich ist es aber so, dass es nicht nur allgemeine Grenzwerte für den Einsatz von Pestiziden gibt, sondern dieser auch vom deutschen Handel zusätzlich reglementiert wird.

Warum müssen wir Erdbeeren aus Andalusien kaufen, wenn wir sie auch selber anbauen können? Nichts ist nachhaltiger als Regionalität!

Diesen Satz bekam ich als private Nachricht über Instagram und muss immer noch ein bisschen schmunzeln. Und ich möchte euch hier und heute die gleiche Antwort geben: Ihr müsst die Erdbeeren gar nicht kaufen. Aber ihr könnt, wenn ihr wollt!
Mit den Erdbeeren aus Andalusien ist es ein bisschen wie mit den CDs von DJ Ötzi: angeblich kauft sie keiner, aber in den Charts sind sie trotzdem ganz oben. Und wir in Deutschland kaufen viel (!) mehr Erdbeeren, als die deutsche Landwirtschaft abdecken kann.
Auch, wenn ich mich vorwiegend regional und saisonal zu ernähren versuche und weiß, dass ein Gros meiner Leserschaft es ebenso tut – der durchschnittliche Verbraucher in Deutschland tickt (leider) noch ganz anders. Er will Erdbeeren – gerne auch außerhalb der Saison und vor allem in Massen.

Es steht für mich immer noch außer Frage, dass eine regional angebaute Erdbeere in der Erdbeersaison, die in einer nachhaltigeren Verpackung verkauft wird, auch die nachhaltigere Erdbeere ist. Und dass die Erdbeeren aus dem Garten meines Opas für immer am besten von allen Erdbeeren auf der Welt schmecken werden.
Allerdings bin ich dankbar dafür, dass ich mich vor Ort in Andalusien mit meinen Vorurteilen konstruktiv auseinandersetzen durfte, meine Fragen jederzeit frei stellen konnte und einen Einblick hinter die Kulissen gewinnen durfte, der dafür gesorgt hat, dass ich dieses Produkt ab sofort in einem etwas anderen Licht sehen werde.  Und sollte mich vielleicht irgendwann außerhalb der Saison der unbändige Hunger auf frische Erdbeeren übermannen, werde ich, wenn dann nach den Erdbeeren aus Huelva suchen.

Das könnte auch etwas für dich sein

2 Kommentare

  • Antworten
    Eva
    18. April 2018 at 08:44

    Cooler Artikel. Danke für die vielen spannenden und aufschlussreichen Infos 🙂 ! Da merkt man, dass man oft nur die halbe Wahrheit kennt.
    Liebe Grüße
    Eva

  • Antworten
    Ina
    20. April 2018 at 11:43

    Toller Beitrag und schön dass du so kritisch gefragt hast.
    Man sollte mehr auf Plastikfrei bestehen und das auxj den marktmitarbeitern sagen bis es iwann auch mal „ganz oben“ ankommt.
    Und ja solange es Erdbeerkuchen und erdbeerbecher im Winter zu kaufen gibt werden die Restaurants etc Erdbeeren weiter kaufen.
    Mich reizen die Beeren eher wenn es warm wird aber ich kenne viele die kaufen das Jahr über „sommerfrüchte“ :/

  • Hinterlasse eine Antwort

    Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

    Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

    Schließen