Glutenfreie Woche – Tag 1 – Gluten FAQ

von Mia | Küchenchaotin

Hin und wieder erreicht mich eine E-Mail, in der ich gefragt werde, ob ich glutenfreien Rezepte empfehlen kann.
Ich stehe dann jedes Mal ein bisschen beschämt wie der Ochs vorm Berg – denn mit Gluten kenne ich mich so gar nicht gut aus! Und weil ich ein bisschen Licht ins (auch mein eigenes) Dunkel bringen möchte, habe ich nicht nur viel recherchiert, sondern mir auch einen echtem Experten an meine Seite geholt – zusammen mit der Unterstützung von Dr. Schär gibt es nämlich ab heute eine Themenwoche rund um Gluten-Unverträglichkeit.

Neue Cerealien_

Bild: Dr. Schär

Gluten – was iss’n das?

Erstmal: Es heisst GluTEN und nicht GLUten. Das Wort wird auf der zweiten Silbe betont. Der Herr des Hauses besteht darauf, dass ich das gleich als erstes schreibe.

Aber nun zur eigentlichen Frage: Vereinfacht gesagt ist Gluten ein Kleber – ein Klebereiweiß, um genauer zu sein.
Weizen, Roggen, Hafer, Gerste, Dinkel und alle Produkte, die auch nur kleinste Mengen dieser Getreide enthalten, besitzen automatisch auch Gluten.
Das ist nicht nur in offensichtlichen Fällen, wie z.B. Nudeln, Brot und Pizza etc. der Fall, sondern oft ist auch dort, wo man eigentlich nicht damit rechnet, Gluten versteckt – beispielsweise in  Fertiggerichten, Gewürzmischungen und gebundenen Soßen.

Glutenfreies Essen – ein neuer Wellnesstrend/eine neue Wunderkur?

Wie schadet Gluten uns denn? Prinzipiell gilt für jeden gesunden Menschen: Erstmal gar nicht.
Gluten an sich ist nicht schlecht für uns – solang im Körper alles im Reinen ist, macht es nicht dick, bläht auch nicht auf, verändert nicht das Hautbild und man fühlt sich nicht besser, nur weil man auf Gluten verzichtet. Kann man abnehmen, wenn man auf Gluten verzichtet? Nein, so einfach ist das leider nicht.

Mit Wellness oder Diät hat eine glutenfreie Ernährung nichts zu tun.

Kritisch wird es nämlich nur dann, wenn der Körper schlecht auf Gluten reagiert.
Treten nach dem Verzehr von glutenhaltigen Produkten Beschwerden wie Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Verdauungsbeschwerden, Unwohlsein und/oder Hautausschläge auf, so kann dies ein erster Hinweis darauf sein, dass der Körper nicht gut mit Gluten umgehen kann.
Ein Arzt kann nach dem ersten Verdacht weiterhelfen. Er kann zusammen mit dem Patienten eine Zöliakie und Weizenallergie feststellen, bzw. ausschliessen um herauszufinden ob, eventuell eine Gluten-Sensitivität feststellen.

Zöliakie? Gluten-Sensitivität? Weizenallergie? Was ist das denn alles?

Wer Gluten nicht gut verträgt, der wird hauptsächlich in 3 Kategorien eingeteilt:

1. Zöliakie
Die Zöliakie ist vielen Menschen schon ein Begriff. Hierbei handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung des Darms, die durch eine Unverträglichkeit gegen Gluten hervorgerufen wird.
Sie äußert sich durch heftige Magen-Darm-Beschwerden, kann aber auch durch verschiedene Symptome wie chronische Müdigkeit, allgemeine Abgeschlagenheit, Kraftlosigkeit, Nervosität, Gliederschmerzen, trockene Haut oder Blutarmut in Erscheinung treten. Die Zöliakie wird durch den Arzt festgestellt und durch die Untersuchung einer Gewebeprobe aus dem Darm bestätigt.
Sie ist chronisch und Betroffene müssen Gluten ihr Leben lang meiden.

2. Gluten-Sensitivität
Die Gluten-Sensitivität ist noch relativ „frisch“ in der Auflistung.
Die Symptome ähneln denen der Zöliakie und sie treten direkt nach dem Verzehr von glutenhaltigen Lebensmitteln auf.
Eine konkrete Diagnosestellung wie bei bei den vorherigen Punkten ist leider bisher nicht möglich – die Gluten-Sensitivität wird deshalb per Ausschluss-Diagnose festgestellt.
Wichtig ist es vor allem, dass für die korrekte Diagnose einer Gluten-Sensitivität erst eine Zöliakie und Weizenallergie vom Arzt ausgeschlossen werden.
Verbessern sich die Symptome, wenn Gluten gemieden wird – und verschlechtern sich wieder, sobald dem Körper erneut Gluten zugeführt wird – so deutet alles stark auf eine Gluten-Sensitivität hin.

3. Weizenallergie
Die Weizenallergie ist, wie jede andere Allergie auch, eine Abwehrreaktion des Organismus auf bestimmte körperfremde Stoffe.
Die Weizenallergie kann vom Allergologen über verschiedene Haut-/ und Blutuntersuchungen festgestellt werden. Der Körper reagiert schlicht und einfach auf unterschiedliche Bestandteile im Weizen allergisch – es ist also so ähnlich wie eine Gräser- und Pollenallergie.
Eine Weizenallergie kann sich – wie alle Allergien – im Laufe des Lebens verbessern oder sogar ganz verschwinden.

Weitere Infos findet ihr übrigens hier.

Bild: Dr. Schär

Wenn ich Gluten nicht vertrage, muss ich dann auf alles verzichten?

Natürlich wird das Leben nicht leichter, wenn man auf Gluten verzichten muss – aber zu einem Leben voller Verzicht ist man trotzdem nicht verdammt!
In der Umbruchphase steht ein bisschen Recherche an, denn schliesslich muss man genau wissen, was man essen darf und was nicht.
Außerdem muss alles, was mit den Lebensmitteln in Kontakt kommt, gründlich gereinigt werden. Töpfe, Teller, Besteck etc. müssen von jeglichen Gluten-Rückständen befreit werden und in Haushalten, in denen auch „Normalesser“ wohnen, müssen die glutenhaltigen Produkte sorgsam getrennt von den glutenfreien aufbewahrt werden.

Beim Einkaufen muss etwas genauer hingeguckt werden. Ist in einem Lebensmittel ein glutenhaltiger Bestandteil, so muss er bei den Zutaten angegeben sein.
Außerdem gibt es viele Produkte, die eigentlich Gluten enthalten, auch in einer glutenfreien Variante: Brot aus Maismehl, Nudeln aus Buchweizenmehl, glutenfreies Mehl zum Backen (z.B. von Schär), glutenfreie Kekse etc. sind in den Supermärkten keine Besonderheit mehr.
Wer nicht all seine Zeit mit Zutatenlisten verbringen möchte, für den gibt es auch ein offizielles Symbol: Die durchgestrichene Getreide-Ähre. Wenn dieses Zeichen auf einer Lebensmittelverpackung zu finden ist, ist ganz bestimmt kein Gluten darin enthalten!

Und wie geht’s jetzt weiter?

Diese Woche stehen viele spannende Themen auf dem Programm. Ich werde glutenfrei einkaufen gehen, euch einen glutenfreien Tag ganz ohne Verzicht zeigen, ein Interview mit einer Betroffenen führen, essen gehen und euch ein paar tolle Rezepte zeigen. Seid ihr schon gespannt? Ich freu mich!

Alles Liebe,
Mia

 

Hier gehts weiter:
Tag 2 – Glutenfrei einkaufen und ein glutenfreies Brotrezept
Tag 3 – Ein glutenfreier Tag auf meinem Teller und ein Rezept für Broccoli-Mandel-Pesto

 

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Diese Themenwoche wird unterstützt durch Dr. Schär, den führenden Experten für glutenfreie Ernährung. Meine Meinung und meine Berichterstattung sind und bleiben jedoch – wie immer – frei.

 

5 Kommentare an Glutenfreie Woche – Tag 1 – Gluten FAQ

  1. Heike Beiter
    3. März 2014 at 14:59 (2 Jahren ago)

    Hallo Mia, bei mir ist es „nur“ Weizenunverträglichkeit. Das doofe ist ja nur, dass es meist mit der Unverträglichkeit eines Lebensmittels nicht getan ist. Bei mir hat sich noch Milch (Kuhmilcheiweiß + Laktose = rote A…karte) hinzugesellt. Aber nach Umstellung meiner Ernährung habe ich tatsächlich in 2 Monaten fast 8 Kilo abgenommen, und bin wieder auf meinem idealen Gewicht von früher. 10 Jahre habe ich die Pfunde rumgeschleppt und keiner wußte, woher diese Zunahme einfach mal so kommt.
    Toll, daß Du dieses Thema anpackst, werde täglich interessiert in FB schauen und lesen!!!
    Schöne Grüße
    Heike

    Antworten
  2. Denise
    3. März 2014 at 15:51 (2 Jahren ago)

    Liebe Mia,

    eines meiner Lieblingsthemen, gerade weil dort soviel Unverständnis und Halbglauben existiert und ich mich freue, wenn für Aufklärung gesorgt wird.

    Sehr gut finde ich die Einteilung in drei Kategorien, die eben zeigt, nur weil man keine Zöliakie hat (was wirklich niemandem zu wünschen ist), bedeutet das nicht, das man fröhlich Weizenprodukte in sich rein stopfen kann. Es ist eben nicht schwarz oder weiß.

    Ich backe und koche selbst seit einiger Zeit mit Alternativen zum Getreide. Falls du noch Tipps, Tricks oder eine Meinung zu verschiedenen Alternativen brauchst, ich helfe immer gerne :)

    Viele Grüße,
    Denise

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  3. Sanne Andy
    3. März 2014 at 16:10 (2 Jahren ago)

    Liebe Mia,
    wie schön! Nur weniger Blogger nehmen sich diesem Thema an! Ich leide schon seit über 25 Jahren an eine Glutenallergie (übrigens im Englischen betont man das „u“ aber wir Deutsche nennen es Gluteeen :) ). Leide rdarf ich auch kein Kuhmilcheiweiß zu mir nehmen .. aber man kann auch gut ohne Milch und deren Produkte leben! Vielen Dank Dir .. werde mich weiter bei Dir schlau machen und hoffe auf einige schöne Rezepte.
    TOI TOI TOI
    LG Sanne

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  4. Ines
    4. März 2014 at 07:54 (2 Jahren ago)

    Liebe Mia,
    super, dass du das Thema aufgreifst und danke für die Unterteilung der Kategorien. In diesem Themenbereich herrscht doch noch sehr viel Halbwissen. Als Weizenallergiker kann ich dir Kastanienmehl empfehlen. Das schmeckt als „Ersatzstoff“ z.B. im Brot sehr lecker. Anders, aber lecker. Ansonsten benutze ich nur Dinkelmehl, wenn ich backe&koche. Ohne Werbung machen zu wollen, aber die Firma Gefro hat viele Produkte, die glutenfrei und laktosefrei sind.
    Bin gespannt auf deine Rezepte.
    Liebe Grüße
    Ines

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  5. Magdalena
    18. März 2014 at 18:06 (2 Jahren ago)

    Hallo Mia,
    ich finde es gut, dass Blogger auch mal dieses Thema behandeln… Ich habe selbst Zöliakie und da freut es mich immer wieder, wenn ich einen Artikel darüber lese, weil viele Menschen einfach noch nicht darüber Bescheid wissen… Tolle Idee von dir, hoffentlich lesen das auch viele (;
    LG, Magdalena

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