Ich stelle jetzt mal ein Wort in den Raum, mit dem Wissen, dass viele von euch damit vermutlich nichts anfangen können. Aber das ist ok, denn mir ging es mein ganzes Leben lang genau so. Das Wort ist: Dinnete. Oder auch Dennete, Deie, Dinnede, Dinne, Dünne, Dünnele, Dinnele oder Dennetle. Und sie ist einer der Gründe, warum ich meine neue Heimat im Schwabenland aus kulinarischer Sicht so heiß und innig liebe. Was meint ihr, was das ist?
Diese schwäbische Spezialität ist irgendwo zwischen Pizza und Flammkuchen einzuordnen, aber gleichzeitig ganz eigen. Der Name kommt von „dünn“ – und genau so ist der Hefeteig auch: dünn ausgerollt, knusprig gebacken und belegt mit regionalen Zutaten wie Sauerrahm, Kartoffeln und Käse.
Mein erstes Date mit einer Dinnete hatte ich vor Jahren auf dem Weihnachtsmarkt in Esslingen. Unscheinbarer Stand, aber als ich die länglichen Teigfladen in der Auslage sah, war es um mich geschehen. Der Duft von frischem Hefeteig, der dicke Belag aus Kartoffeln und geschmolzenem Käse – Glück für 4 Euro (das waren noch Zeiten!), direkt auf die Hand. Seitdem ist die Dinnete einer der Gründe, warum ich meine Heimat im Schwabenland kulinarisch so liebe.
Die klassische Variante ist mit Lauch und Speck, aber die vegetarische Version mit Kartoffeln und Käse ist mindestens genauso gut. Und weil gute Dinnete nicht nur auf dem Weihnachtsmarkt existieren sollte, gibt’s hier das Rezept zum Nachbacken.

Warum diese Dinnete so gut ist
Was die Dinnete so besonders macht, ist die Kombination aus knusprigem Hefeteig und cremigem Belag. Anders als bei Pizza ist der Teig deutlich dünner und luftiger, gleichzeitig aber stabiler als Flammkuchenteig. Das liegt am Hefeteig, der Zeit zum Gehen bekommt und dadurch eine tolle Struktur entwickelt.
Der Belag aus Sauerrahm, Kartoffeln und Bergkäse klingt simpel, aber genau das macht es aus. Die Kartoffeln werden durch die Hitze im Ofen leicht geröstet und der Käse bildet eine goldbraune Kruste. Der Sauerrahm sorgt für Cremigkeit und bindet alles zusammen, während der Muskat dem Ganzen eine warme, leicht nussige Note gibt. Frühlingszwiebeln bringen Frische rein und verhindern, dass es zu schwer wird.
Das Beste ist aber: Eine Dinnete ist in 20 Minuten im Ofen und lässt sich super vorbereiten. Teig am Vortag machen, Kartoffeln vorkochen, und am nächsten Tag nur noch belegen und backen. Perfekt für entspannte Abende oder wenn spontan Besuch kommt.
Tipps für die perfekte Dinnete
Der Teig sollte wirklich dünn sein, aber nicht so dünn, dass er reißt. Am besten funktioniert es, wenn du ihn mit den Händen ausziehst statt mit dem Nudelholz. So bleibt die Luftigkeit erhalten und du hast mehr Kontrolle. Nasse Hände verhindern, dass der Teig klebt.
Die Kartoffeln unbedingt komplett auskühlen lassen, bevor du sie schneidest. Warme Kartoffeln geben zu viel Feuchtigkeit ab und der Belag wird matschig statt knusprig. Am besten kochst du die Kartoffeln am Vortag und lagerst sie über Nacht im Kühlschrank.
Beim Käse kannst du variieren. Bergkäse ist klassisch und gibt einen kräftigen Geschmack, aber auch Emmentaler oder Gruyère funktionieren gut. Wichtig ist, dass der Käse gut schmilzt und nicht zu mild ist. Für die vegane Variante kannst du pflanzlichen Reibekäse verwenden – der wird genauso knusprig.
Der Ofen sollte richtig heiß sein (250°C). Nur so wird der Teig außen knusprig und innen luftig. Falls dein Ofen nicht so heiß wird, lieber etwas länger backen bei 230°C. Die Dinnete ist fertig, wenn der Rand goldbraun ist und der Käse Blasen wirft.

Variationen der Dinnete
Die klassische schwäbische Variante ist mit Lauch und Speck. Dafür den Sauerrahm-Belag mit in Ringe geschnittenem Lauch und Speckwürfeln belegen. Der Speck wird im Ofen knusprig und gibt einen rauchigen Geschmack.
Eine süße Version ist mit Äpfeln, Zucker und Zimt. Hierfür den Teig nur mit etwas zerlassener Butter bestreichen, dünne Apfelscheiben darauflegen und mit Zucker-Zimt-Mischung bestreuen. Nach dem Backen eventuell noch mit Puderzucker bestäuben.
Du kannst den Belag auch mit saisonalem Gemüse variieren. Im Herbst funktioniert Kürbis sehr gut (vorher kurz anbraten), im Frühling Spargel oder junge Erbsen. Auch getrocknete Tomaten mit Ziegenkäse sind eine leckere Kombination. Wichtig ist nur, dass wasserreiches Gemüse vorher angebraten wird, damit der Teig nicht durchweicht.
Wer es herzhafter mag, kann den Belag mit frischen Kräutern pimpen. Rosmarin passt gut zu Kartoffeln, Thymian zu Pilzen. Einfach vor dem Backen über den Belag streuen.
Schwäbische Dinnete mit Kartoffeln und Käse
Zutaten
Für den Teig:
- 500 g Weizenmehl
- 12 g Salz
- 21 g frische Hefe 1/2 Würfel
- 300 ml lauwarmes Wasser
Für den Belag:
- 150 g Sauerrahm
- 2 große Pellkartoffeln ca. 300 g, gekocht und abgekühlt
- 2 Frühlingszwiebeln
- Salz und Pfeffer
- 1 Prise Muskat
- 100 g geriebener Bergkäse
Anleitungen
- Mehl und Salz in eine Schüssel geben. Hefe im lauwarmen Wasser auflösen und zum Mehl geben. Alles ca. 10 Minuten zu einem weichen, glatten Teig verkneten. Teig abgedeckt an einem warmen Ort ca. 60 Minuten gehen lassen.
- Den Teig mit nassen Händen in 4 gleich große Portionen teilen und nochmals 10 Minuten ruhen lassen.
- Währenddessen die Pellkartoffeln in dünne Scheiben oder kleine Würfel schneiden. Frühlingszwiebeln inklusive Grün in dünne Ringe schneiden. Kartoffeln, Frühlingszwiebeln, Sauerrahm und die Hälfte des Käses vermengen. Mit Salz, Pfeffer und Muskat abschmecken.
- Den Backofen auf 250°C Ober-/Unterhitze vorheizen. Ein Backblech mit Backpapier auslegen.
- Jeweils einen Teigfladen mit den Händen zu einer länglichen, ovalen Form ziehen (ca. 25-30 cm lang). Der Teig sollte dünn sein, aber nicht reißen. Auf das vorbereitete Backblech legen.
- Für 15-20 Minuten backen, bis der Teig goldbraun ist und ofenfrisch servieren!
Notizen
Nährwerte
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Wenn dir die Dinnete gefällt, probier auch mein Schwäbisches Kartoffelbrot mit Sauerteig – ebenfalls eine schwäbische Spezialität mit Kartoffeln, die super saftig ist und sich tagelang hält.
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Falls du Bock hast, mal ohne Hefe und Backpulver zu backen, schau dir mein Sauerteigbrot für Anfänger an – der Einstieg in die Welt des Brotbackens.
Und wenn du auf herzhaftes Comfort Food stehst, ist meine Käse-Lauch-Suppe genau das Richtige – cremig, käsig, Comfort Food pur.

Häufige Fragen zu Dinnete mit Kartoffeln
Kann ich die Dinnete mit rohen Kartoffeln belegen?
Nein, die Kartoffeln müssen vorher gekocht werden. Rohe Kartoffeln würden in der kurzen Backzeit nicht gar werden. Am besten verwendest du Pellkartoffeln vom Vortag, die komplett ausgekühlt sind.
Was ist der Unterschied zwischen Dinnete und Flammkuchen?
Dinnete wird mit Hefeteig gemacht, Flammkuchen mit einem Teig ohne Hefe. Dadurch ist die Dinnete etwas dicker und luftiger, während Flammkuchen dünner und knuspriger ist. Auch der Belag unterscheidet sich – Flammkuchen wird klassisch mit Schmand, Zwiebeln und Speck belegt.
Geht die Dinnete auch ohne Sauerrahm?
Ja, du kannst stattdessen Crème fraîche oder Schmand verwenden. Auch saure Sahne funktioniert, ist aber etwas flüssiger. Für eine vegane Variante gibt es pflanzlichen Sauerrahm (z.B. Crème Vega), der genauso gut schmeckt.
Muss ich die Dinnete sofort essen?
Am besten schmeckt sie frisch aus dem Ofen, wenn der Teig noch knusprig ist. Du kannst Reste aber problemlos aufbewahren und im Ofen wieder aufbacken. Dann wird sie wieder schön knusprig.
Kann ich Trockenhefe statt frischer Hefe verwenden?
Ja, das geht problemlos. Verwende dann 7 g Trockenhefe (ein Päckchen) statt 21 g frischer Hefe. Die Trockenhefe direkt zum Mehl geben und dann das Wasser hinzufügen.
Wie dünn muss der Teig sein?
Der Teig sollte etwa 2-3 mm dünn sein – dünn genug, dass er knusprig wird, aber dick genug, dass er nicht reißt. Am besten ziehst du ihn mit den Händen statt mit dem Nudelholz, so hast du mehr Kontrolle.
Guten Appetit,
Mirja


Hallo 🙂
Habe das Rezept heute ausprobiert. Sehr sehr lecker. Muss nur den Teig etwas dünner ziehen :))
Liebe Grüße
Nicole
Werde das ganze mal vegan probieren. Man muss ja nur zwei Zutaten ersetzen:
Sauerrahm => Dr. Öttger Crème Vega
Bergkäse => Simply V Reibekäse
Danke für das Rezept!
Einfach nur lecker, habe es mit dunklem Mehl gemacht und war total super.
Ober Unterhitze oder Umluft?😊