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Oh wie schön ist Kanada – ein Trip nach New Brunswick

Dieser Reisebericht entstand im Rahmen einer Pressereise.

Im Juni des letzten Jahres hatte ich die Möglichkeit, eine weitere Provinz Kanadas im Osten zu erkunden: New Brunswick. Was ich vorher recherchiert habe: Neben der wunderschönene Landschaft besticht die Provinz vor allem durch eine hohe Dichte an ausgezeichneten Köchen und eine florierende Gastro-Szene und Hummer ist dort durch die Nähe zur Bay of Fundy ein Arme-Leute-Essen. Die Provinz scheint ein echter Geheimtipp für Foodies wie mich!


Nach einer etwa 10 stündigen Anreise von Stuttgart nach München über Toronto nach Saint John falle ich nach einem fantastischen Abendessen im hauseigenen Restaurant mitten in der Nacht in mein Bettchen im bezaubernden Shadow Lawn Inn in Rothesay (ein Ort, an dem ich gerne viel mehr Zeit verbracht hätte!) und stelle meinen Wecker auf 4 Uhr morgens. Der Jetlag wird’s schon richten. Denn es geht in Richtung Saint John und wir sollen fischen gehen! Der frühe Vogel fängt den Wurm – oder in diesem Fall den Stör!

Das pulsierende Saint John, seine Fischer und seine Lokale

Saint John ist die älteste Stadt Kanadas und nach dem Saint John River benannt. Besonders bekannt ist die Stadt neben der pulsierenden Gastro-Szene für ihre Fischerei und darüber ganz besonders für eine Spezialität: Kaviar!

Fischen mit Billy und Bill

Früh am Morgen fahren die Fischer hier mit kleinen Boten raus und holen ihre Netze ein. Ich steige mit dem Fischer Bill und seinem Sohn Billy in ein wacklig aussehendes, kleines Fischerboot und lasse mir zu einer Zeit, zu der ich sonst noch schlafe, den kalten Wind um die Nase pusten. Auch wenn der Trip durchaus interessant ist und die Fischer respektvoll mit den Fischen umgehen, ist die „Ernte“ des Kaviars nicht meine Welt. Denn ohne den Fisch zu töten, kann kein Kaviar „geerntet“ werden. Aber es ist eine ehrliche und sehr harte Arbeit und ich habe großen Respekt vor Bill und Billy, weswegen ich diesen Programmpunkt trotzdem als eins der Highlights hervorheben möchte.
Nachdem die Pflicht für die Fischer getan ist, geht es zur Kür und der Kaviar wird verkostet. Das geht am besten mit Champagner oder Vodka. Ich skippe den Teil mit dem Kaviar und habe trotzdem eine gute Zeit mit dem Vodka. Ihr versteht.

Anschließend geht es in den für mich angenehmeren Teil der Reise über: Schlemmen und schlendern. Hier kommen die ultimativen Foodie-Tips:

Dunhams Run

Schon mal kanadischen Wein probiert? Die Dunhams Run Estate Winery ist der perfekte Ort, um den Versuch zu wagen. Bei wunderschönem Ausblick kann man den Wein auf Herz und Nieren testen und/oder einfach ein bisschen die Seele baumeln lassen. Auf geführten Touren kann man einen schönen Einblick in die Arbeit des Winzers bekommen.
In der hauseigenen Küche werden außerdem feine Köstlichkeiten gezaubert.

East Coast Bistro + Whisky Tasting im Hopscotch

In Downtown in Saint John liegt das „East Coast Bistro“ gelegen, in dem man in schöner Atmosphäre gut essen kann. Die beiden Köche sind sehr stolz darauf, alles „from scratch“ selber zu machen und die Karte bietet eine Vielzahl unterschiedlicher Gerichte für jeden Geschmack und unterschiedliche Essensvorlieben.
Wer sich nach dem guten Essen noch nicht müde fühlt, sollte auf jeden Fall eine Abstecher in die „Hopscotch“ Whisky Bar machen. Hier gibt es – wie der Name schon sagt – Whisky in einer unvorstellbaren Vielfalt. Für unterschiedliche Vorlieben und auch für Neulinge werden außerdem unterschiedliche Tasting-Zusammenstellungen angeboten. Ich habe mich an drei kleinen Gläschen anfängertauglichen Whiskys versucht und war über die Geschmacksvielfalt überrascht. Ein interessantes Erlebnis – auch, wenn es mich nicht zum Whisky-Liebhaber gemacht hat. Die Atmosphäre ist toll und der Manager eine echte Type – er hat in nur 6 Monaten „alles über Whisky angelernt“ und ist in kürzester Zeit ein echter Spezialist in diesem Gebiet geworden. Kein Wunder also, dass sein großer Traum ist in Schottland sein Wissen noch zu vertiefen.

City Market

Der City Market von Saint John darf auf keiner Foodierundreise fehlen. Hier werden lokale Produkte (Essen, Kleidung, Schnickschnack) und Kunst angeboten und es gibt viel zu entdecken. Ich nehme „ein mal alles mit Ahornsirup, bitte“ und bete still, dass das Gewicht meines Koffer auf der Rückreise unter der Gewichtsgrenze der Airline bleibt. Ich kann euch aber verraten: Sowohl die Maple-Pralinen, -Bonbons, -Tea und -Schokoriegel, als auch der Bourbon-Ahornsirup haben es nach Deutschland geschafft.
Foodies kommen hier garantiert auf ihre Kosten und die Halle ist in jedem Fall einen Besuch wert!

Big Tide + Picaroons

Wenn ich an meine beiden Kanada-Trips denke, denke ich immer auch an Craft Beer. Und besonders in Saint John ist die Craft Beer-Szene sehr groß! Zwei wunderbare Beispiele sind das „Big Tide“ und das „Picaroons“.
Wärend im Big Tide bis zu 5 unterschiedliche Biere vor den Augen der Gäste gebraut werden, die aus aller Welt inspiriert sind und ständig wechseln (z.B. kanadische Interpretationen des Kölsch!), geht es im Picaroons etwas weniger experimentell zu. Dafür werden im Picaroons zusätzlich hochwertige, nachhaltige Produkte, kleinerer lokaler Produzenten, wie z.B. Bier- und Ahornseife, Wolldecken oder Sojakerzen angeboten. Ich habe es kaum geschafft, mein Bier auszutrinken, weil ich so mit Stöbern beschäftigt war!

Port City Royal

Eigentlich kann ich meine Gefühle für das Port City Royal ganz kurz fassen: Ich liebe es und wünschte, ich hätte es mitnehmen können. Einfach alles an dem Laden hat mir gefallen – vom absolut sympathischen und herausragenden Bartender Eric über den viel zu bescheidenen Koch Jacob, der bezaubernden Einrichtung über das Essen, in dem ich am liebsten gebadet hätte. Hier stimmt einfach alles. Wenn ich nur einen einzigen Ort in Saint John besuchen könnte, würde es dieser sein. Aber dazu kommt noch ein gesonderter Beitrag – mit Rezept. Stay tuned!

 

Entspannen und schlemmen in Saint Andrews by the Sea

Weiter geht es nach Saint Andrews (by the Sea), das am Nördlichen Teil des Bay of Fundy und ca. 80 km entfernt von Saint John liegt. Hier ist der Ort, an dem gut betuchte Kanadier sich niederlassen oder zumindest eine Sommerresidenz suchen. Der Gründ liegen auf der Hand und ich nenne nur zwei davon: Die Landschaft und die Wälder sind atemberaubend und ausgezeichnete Köche führen hier dicht an dicht sehr gute Restaurants für jeden Geschmack. Der perfekte Ort, um die Seele baumeln und es sich richtig gut gehen zu lassen.

The Algonquin Resort

Wir übernachten im Algonquin Resort. Dort, wo angeblich einst Steven King zu „The Shining“ inspiriert wurde, lässt es sich gut aushalten. Die Zimmer sind geräumig und sehr gut ausgestattet, im hauseigenen Restaurant gibt es ein vielseitiges Frühstücksmenü und abends feine Köstlichkeiten von der Karte, sogar der vegetarische Burger schmeckt! Besonders hervorheben kann ich die Cocktails – die sind spitze! Vor allem, wenn man sie auf der wunderschönen, historischen Veranda in einem Schaukelstuhl genießt.

 

Kingsbrae Garden

Foodies und Gartenfreunde werden diesen Teil der Reise besonders lieben: Den Kingsbrae Garden!

Auf ganzen 10 Hektar finden sich hier eine unfassbare Menge, unterschiedlicher Pflanzen und Tiere. Der Garten ist in unterschiedliche, kleinere Themen-Gärten aufgeteilt und neben allerlei Blumen, Stauden und Zierpflanzen finden sich darunter auch Teile, in denen nach Herzenslust von den Pflanzen und Sträuchern gegessen werden kann. Zusätzlich gibt es eine Kunstaustellung mit Teils beeindruckenden Skulpturen und Kunstwerken.

Eins meiner persönlichen Highlights der Reise fand auch im Kingsbrae Garden statt: Ein „Pinot and Palette“. Dahinter verbirgt sich ein Malkurs vom Künstler Geoff Slater für Erwachsene, der mit Wein und Käse verbunden wird. Das Prinzip ist simpel und doch so effektiv: Der Wein baut Hemmschwellen bei den Teilnehmern ab und man malt automatisch ohne den eigenen, innereren Kritiker, der immer der Meinung ist, dass man das sowieso nicht genug kann und Malen was für Kinder ist. Es macht unfassbar viel Spaß und ich habe es geliebt! Und wollte mein Bild im Anschluss zum Trocknen gar nicht mehr hergeben.
Das Bild aus dem Kurs steht übrigens auch heute noch auf meinem Schreibtisch und der Geoff Slater hat dafür gesorgt, dass ich in zurück in Deutschland einen 10-wöchigen Malkurs an der VHS belegt habe. Danke dafür!

Ein weiteres absolutes Highlight der Reise hat der Kingsbrae Garden aber noch zu bieten: Das Savour in the Garden, in dem ich das für mich bisher beste Essen Kanadas gegessen habe. Um euch eine Vorstellung zu geben: ich konnte musste nach dem Essen mit dem Taxi 3 Minuten zum Hotel fahren, weil ich nicht mehr in der Lage war, den 15-Minuten-Marsch zu bewältigen. Es war so lecker, dass ich mich maßlos an den Köstlichkeiten vom Koch Alex Haun den Magen vollgeschlagen habe.
Alex Haun ist nebenbei ein wirklich beeindruckender Koch: 2009 eröffnete er mit nur 22 Jahren sein erstes, eigenes Restaurant. Inzwischen ist er weltweit mehrfach prämiert und dabei immer noch ein unfassbar bescheidener und super sympathischer Kerl. Er kocht monatlich wechselnde Tasting-Menüs aus saisonalen und regionalen Zutaten, zum Großteil sogar von seinem eigenen Hof. Ich würde jederzeit sehr gerne wiederkommen.

Whale Watching

Beim Whale Watching in Saint Andrews ist ein echter Traum für mich in Erfüllung gegangen. Nachdem ich mich etwas tollpatschig in meinen knallorangenen Spezialanzug manöviert hatte (er hält warm und ist gleichzeitig eine Schwimmweste) wandern wir bei schönstem Wetter zum Bootssteg. Ein bisschen mulmig ist mir doch zumute, als ich feststellen muss, dass es KEIN Scherz ist, dass wir gleich mit einem Schlauchboot auf den Bay of Fundy hinausfahren, um nach Walen Ausschau zu halten.
Meine Ängste sind jedoch unbegründet. Die wirklich rasante Fahrt aufs Wasser hinaus ist so wunderschön, dass ich mich von der Reisegruppe abwenden muss, weil mir vor Glück die Tränen kommen. Nachdem wir – einzig und allein von Wasser und Himmel umgeben – still getrieben sind, sehen wir sie tatsächlich: Robben, Delfine, Schweinswale und sogar ein Finnwal begegnen uns bei unserem Abenteuer.
Aber ich sage euch ganz ehrlich: Auch, wenn wir nicht einen einzigen Wal gesehen hätten, wären alleine die Rundfahrt auf dem Wasser in der wunderschönen Landschaft diesen Trip wert gewesen. Nur, wenn ich dran denke, platzt mein Herz fast wieder vor Glück!

Kanutour

Und ein letzter Tipp: Wenn es euch nach New Brunwick verschlägt, kann ich euch nur den Tipp geben: Bucht eine Kanutour! Die Landschaft ist einfach wunderschön und die Luft fantastisch. Ich würde es jederzeit wieder tun!

 

Ich dachte eigentlich, dass mein erster Besuch in Kanada gar nicht mehr getoppt werden kann und es durch die Nähe der beiden Provinzen auch nicht mehr so viel „Neues“ geben wird – aber auch die Reise nach New Brunswick steht der nach Nova Scotia in absolut nichts nach. Kanadas Osten hat mein Herz auf beiden Reisen auf ganz unterschiedliche Arten berührt, mir viel Inspiration gebracht und ich kann es kaum erwarten, wieder dort hin zu reisen.

Wart ihr schon mal in New Brunswick?

Alles Liebe,
Mia

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